Erziehung

Zu viel Erziehung schadet von Andreas Winter (Mankau Verlag)

Wieder mal ein tolles Buch von diesem charismatischen Autor

Herr Winter möchte die Spuren der eigenen Erziehung aufdecken, und erläutern, wie Erziehung funktioniert. Wir sollen als „Entwicklungshelfer“ und nicht als „Problemerzeuger“ wahrgenommen werden (siehe Vorwort).

Das Buch soll zum Nachdenken anregen und zum Verstehen der eigenen Eltern einladen.

Gleich auf Seite 14 stellt der Autor die Frage: „ Wie viele Menschen kennen Sie, die ein optimales Beispiel für ein glückliches, zufriedenes Leben mit Erfolg, Gesundheit und Wohlstand abgeben und zudem auch noch die Kompetenz besitzen, dieses Denken vorbildhaft an ihren Nachwuchs zu vermitteln?“

Er beantwortet die Frage auch gleich: „Wer nicht weiß, wie man glücklich, zufrieden und gesund lebt, wer glaubt, das Leben sei ein harter Kampf, der wird seinen Kindern nicht glaubwürdig ein positives Bild vermitteln können.“

Traurig aber wahr: „Oft ist es nicht etwa ein Schlag auf den Kopf, eine schwere Krankheit oder ein Unfall, der die Menschen in Lebenskrisen bringt. Es sind traumatische Erfahrungen mit den eigenen, gut meinenden Eltern, die denen meist noch nicht einmal bewusst waren. (Seite 16)

Doch es ist möglich, die Erziehungsfolgen aufzulösen, die Menschen von ihren unterbewussten Verhaltensmustern zu befreien. Dann ist das Selbstvertrauen wieder repariert, und es verändert sich schlagartig, innerhalb kürzester Zeit, das ganze Leben.

„Viel zu oft, eigentlich so gut wie immer, finden wir in der Kindheit einschneidende Erlebnisse von zu starker Bevormundung fehlendem Vertrauen und Überforderungen )seitens der Eltern.“ (Seite 17)

Wenn niemand unsere Fähigkeiten weckt und kultiviert, können wir eben nicht alles, was wir uns vornehmen!!

Jeder Mensch ist bestrebt, seine eigene Absicht möglichst widerstandsfrei zu verwirklichen. Sobald die Erwartungshaltung der Eltern mit der Absicht des Kindes kollidiert, schafft man eine Grenze.

Das Kapitel mit den Persönlichkeitsmerkmalen der Tierkreiszeichen fand ich sehr gelungen und ich habe lange damit verbracht, das bei meinen Kindern oder Kindern von Freunden einfach mal nach zu vollziehen.

„Im falschen Moment geäußerte Sätze wie „Du wirst niemals gut in Mathe sein“ oder „Aus dir wird nie etwas, wenn du dich nicht anstrengst“, „Süßigkeiten machen dick“ oder „Rauchen ist schädlich“ entpuppen sich leider nur zu oft als Suggestionen, die dann jahrzehntelang unterbewusst realisiert werden.“ (Seite 58/59)

„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, lege die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Diese Aussage stammt von dem antiken griechischen Philosophen Sokrates. Er lebte von 470 bis 399 vor Christus. (Seite 64)

Mehr Gelassenheit, Vertrauen und weniger Erwartungsdruck und Überforderung durch die Eltern wäre wünschenswert.

Herr Winter vertritt auch ganz klar die Meinung, dass auch „liebe“ Eltern schaden können. Liebe kann auch erdrücken und zu viel Vorsicht lähmt.

Was ein trotziges Kind eigentlich sagen will und wie man darauf reagiert, ist bestens beschrieben. „Trotz können Sie von vornherein verhindern, indem Sie Ihren Kindern zum einen Entscheidungsfreiheit lassen und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen spürbar machen. Das ist in der Realität allerdings nur selten wirklich umsetzbar. Daher ist es ratsam, Kinder zum anderen um das zu bitten, was man von ihnen möchte, und hier ebenso zu betonen, welchen Nachteil das Nichtentsprechen der Bitte hat.“ (Seite 82)

Herr Winter betont auch, dass die Motivationsfalle ein wichtiges Element ist: Belohnung macht abhängig! „Es gibt eine recht interessante Untersuchung, nach der Kinder, die für ihre Leistungen belohnt wurden, beim Ausbleiben von Belohnungen auch keine Leistungen mehr zeigten.“ (Seite 83)

„Nur weil Eltern damals gute Noten, braves Verhalten und Zimmeraufräumen mit Belohnungen verknüpft hatten, schwebe deren Kinder später in der Gefahr der Abhängigkeit.“ (Seite 84)

Auch die Geschwisterkonstellation wird bestens beschrieben.
Mir hat sehr gut gefallen dass darauf hingewiesen wurde: „Man muss auch ein Kind schon mal schreien lassen!“ Natürlich nicht! Wenn ein Kind schreit, hat es auch etwas.

Zur Homosexualität hat der Autor auch eine ganz eigene Meinung: „Sogar die sogenannte Homosexualität ist weder eine Krankheit noch eine schicke Modeerscheinung, sondern eine erziehungsbedingte Entscheidung zu Ungunsten der eigenen Geschlechtsrolle.“

Wie das denn jetzt zu verstehen ist mit dem stressfreien begleite und fördern der Kinder wird wunderbar erklärt.

Eins meiner Themen ist das vergeben und verzeihen – und auch das wurde aufgegriffen.

Wie wird man erfolgreich? Nicht mit Anstrengung, sondern mit Begeisterung.