Gesundheit

Plastikmüll im menschlichen Darm nachgewiesen

von Dr. Martina Hahn-Hübner

Plastikmüll ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Plastiktüten, -flaschen, -verpackungen usw. schwimmen in Meeren und Ozeanen, bedrohen dort die Tiere. Mikroplastik, kleinste Plastikpartikel, sind die andere Gefahr, die vom Plastikmüll ausgeht. Diese mikroskopisch kleinen Teilchen finden sich zum Beispiel in Kosmetikprodukten. Nun ist Forschern das gelungen, was schon länger befürchtet wurde: Wissenschaftler des Umweltbundesamts und der Medizinischen Universität Wien konnten diese winzigen Plastikteilchen zum ersten Mal im menschlichen Körper nachweisen.

Kleine Studie sollte Aufschluss über Plastik im Körper geben

Die Forscher hatten Stuhlproben von acht Menschen aus acht völlig verschiedenen Ländern untersucht. Die Teilnehmer der Mini-Studie kamen aus Finnland, Großbritannien, Italien, Japan, den Niederlanden, Österreich, Polen und Russland. Sie mussten eine Woche lang ein Ernährungstagebuch führen. Nach dieser Woche gab jeder Teilnehmer eine Stuhlprobe ab. Aus den Ernährungstagebüchern ging hervor, dass die Studienteilnehmer Lebensmittel und Getränke aus Plastikverpackungen zu sich genommen hatten. Ein Großteil der Studienteilnehmer verzehrte Fisch und Meeresfrüchte; es nahmen keine Vegetarier teil. Für die Auswertung untersuchten die Forscher die Stuhlproben auf die zehn Kunststoffe, die am weitesten verbreitet sind.

Neun Kunststoffarten wurden nachgewiesen

Das Ergebnis war erschreckend: In allen Stuhlproben fanden sich Mikroplastikpartikel, durchschnittlich 20 Teilchen auf 10 Gramm Probe. Nachweisen ließen sich neun unterschiedliche Kunststoffarten, die Teilchen waren zwischen 50 und 5000 Mikrometer groß.

Am häufigsten wurde Polypropylen gefunden. Hierbei handelt es sich um die Plastikart, die Material für Jogurtbecher, Flaschenverschlüsse und zum Beispiel auch Textilien ist. Ebenfalls sehr häufig fand sich Polyethylenterephthalat. Sie kennen es als PET, Grundstoff für Plastikflaschen. Enthalten ist es aber auch in Kleidung, die als knitterfrei bezeichnet wird.

So kann sich Mikroplastik auf den Körper auswirken

Forscher arbeiten immer noch daran, die Auswirkungen von Mikroplastik auf unseren Körper aufzudecken. Wir wissen heute, dass die kleinen Plastikteilchen die Darmbarriere überwinden können und dann ihren Weg in den gesamten Organismus finden. Das haben Tierversuche gezeigt, hier wurden die Plastikteilchen in Blut, Lymphe und in der Leber entdeckt. Außerdem zeigten diese Versuche, dass Mikroplastik zu Entzündungsreaktionen in Magen und Darm führen und die Aufnahme von Keimen sowie Schadstoffen aus dem Darm fördern kann.

Weitere Studien sollen nun zeigen, welche Konsequenzen diese Mini-Plastikteilchen auf uns Menschen haben – wobei die Wissenschaftler davon ausgehen, dass sich die Ergebnisse und Erkenntnisse der Tierversuche auf uns übertragen lassen.

Mikroplastik aus Kleidung und Kosmetika

Die Gefahr des Mikroplastik: Es findet sich heutzutage in vielen Produkten. Die kleinen Teilchen, die weniger als fünf Millimeter groß sind, werden in Kosmetikprodukten eingesetzt. Hier sollen sie Reinigungseffekte unterstützen. Sie entstehen aber auch durch Abrieb oder Zersetzung. Hierunter fällt Reifenabrieb. Auch beim Waschen synthetischer Kleidung gelangt solches Mikroplastik in die Umwelt.

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